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Erstes Punktspiel an neuer Stätte

Heute gab es gleich mehrere Premieren, die zum großen Teil auch auf der in diesem Jahr auf den Weg gebrachten Zusammenarbeit mit unseren Freunden aus Wilster zusammen hängen. Auch dass wir überhaupt zwei Mannschaften in der Bezirksliga melden konnten, ist zumindest zum Teil durch diesen Umstand begründet, denn so haben wir genügend

Spieler, um regelmäßig acht Spieler an die Bretter zu bekommen. Ohne den Zuwachs aus Wilster wäre das eng geworden.

 

Dass wir die Mensa der AVS als neue Spielstätte gefunden haben, ist ein Segen, denn nun können wir problemlos mit drei Mannschaften auf Bezirksebene gleichzeitig auftischen. Hier hat sich insbesondere Anke mit großem Engagement hervor getan, und man darf sagen: es hat sich gelohnt. 

Das echte Highlight unter den Premieren kommt aber erst noch: dieses Spiel in der Bezirksliga West aus dem Schachverband Schleswig-Holstein wurde an DGT-Brettern gespielt, und live ins Internet übertragen! Auch hierfür zeichnen Anke und Björn

verantwortlich... Ich kann mich noch an meine Verwirrung erinnern, als Anke das mit den Worten "Anke hatte eine verrückte Idee..."; angekündigt hatte. Man kann nur herzlich danke sagen, dass wir die Ehre hatten, diese Schmuckstücke unter  Wettkampfbedingungen einsetzen zu dürfen. Gleich vorweg: das kam auch bei den Zuschauern im Internet sehr gut an. Als Spieler ändert sich fast nichts, man muss mitschreiben wie sonst auch; das Ergebnis einer Partie ist dem Administrator der DGT-

Software zu nennen, bevor analysiert oder neu aufgestellt wird. Weiterhin neu ist der Mannschaftsführer der 2.Mannschaft. Ich danke Kalle an dieser Stelle nochmals, dass er dieses Amt übernommen hat. Wünschen wir ihm gutes Gelingen! Noch was? Ja klar, das Wichtigste - die Spieler... da wir nun eine ganze Horde Jugendlicher in unseren Reihen auch bei den Erwachsenen haben, kommen die natürlich auch zum Einsatz - heute gleich mal vier. Auch das ist sehr erfreulich. 

Also spielt nun unsere Zwote gegen unsere Dritte in der Bezirksliga - für viele Spieler dürfte das ebenfalls eine Premiere sein. Normalerweise ist unsere Zwote schon etwas stärker, aber ein Blick auf die Mannschaftsaufstellungen zeigte ein ganz anderes Bild: Die Zwote spielte mit Alexej, Hannes, Arne, Stefan, Vika, Rainer, Lucy und Dennis - das sind die Setzlistenplätze 1, 3, 6, 8, 9, 12, 13, und 16. Pühhh... vier Routiniers, vier Jugendliche, sehr interessante Mannschaft! Die Dritte stellt dagegen fast langweilig auf:

Pit, Konrad, Jens, Ulf, Rolf, Thomas, Willy und Henning. An Brett acht spielte der Setzlisten-Achte, mehr muss man da nicht sagen. Vom DWZ-Schnitt her lag sogar die Dritte minimal leicht vorn, aber man konnte sicher von einem Kampf auf Augenhöhe ausgehen. Und es wurde dann auch sehr spannend. Pit und Alexej brachten eine symmetrische Stellung aufs Brett. Nicht viel los; beide

versuchten, ihre Figuren gut aufzustellen und aktive Felder zu finden. Ähnliches war bei Hannes und Konrad zu beobachten. Konrad schnappte sich das Läuferpaar, aber Hannes stand felsenfest da, sehr kompakt. Jens drängte Arne recht früh zurück. Das war für mich überraschend, weil Arne eigentlich der Spieler ist, der lieber aggressiv nach vorn spielt. Stefan und Ulf hatten eine Stellung,

die ziemlich an Grünfeld erinnerte. Beide spielten das systemgerecht. Stefan bekam einen Bauern nach d5, Ulf hatte Gegenspiel auf den schwarzen Feldern. Rolf gegen Vika... hier war mir früh klar, dass dies keine normale Partie werden würde. Viele lustige Bilder waren schon nach wenigen Zügen zu entdecken. Beide weigerten sich hartnäckig, auf die Pläne des Gegners in irgendeiner Weise einzugehen. Vika verlor als Erste die Geduld und stand sofort eindeutig besser, vielleicht auf Gewinn. 

Dass bei Willy gegen Lucy ruhig manövriert werden würde, war zu erwarten. Lucy leistetet sich einen unnötigen Tempoverlust und musste dann darauf achten, nicht

überrollt zu werden. Das tat sie allerdings sehr gut, und glich nach und nach das Spiel fast völlig aus. Dennis spielte ebenfalls sicher und ruhig gegen Henning, von dem das auch erwartet werden konnte. An einer Stelle hätte Henning vielleicht mit einem Springer ziemlich tief in Dennis Stellung eindringen können, aber ganz sicher bin ich mir auch nicht. Statt dessen machte Henning einen Zug, der sehr seine Königsstellung schwächte. Von da an stand Dennis besser.

Und an diesem Brett fiel auch die erste Entscheidung: Henning verlor einen Bauern, musste aus der Not heraus die Damen tauschen und verlor dann noch zwei weitere Bauern bei schlechterer Stellung. Dennis hat das sehr schön heraus gespielt - immer wieder mit den richtigen Figuren die schwachen Felder besetzt. Sehr gut gespielt! 1:0

(aus Sicht der Zwoten) Ulf hatte die schwarzen Felder gut ausgebeutet, besetzte dort wichtige Punkte und drang

in Stefans Stellung ein. Bald eroberte Ulf dort eine Figur. Stefan gab ohne Kompensation auf. 1:1

Arne hatte sich auf Kosten eines Bauern etwas befreit, aber Jens stand solider. Arne meinte dann, mit einer kleinen Kombination Material gewinnen, aber das war ein Trugschluss. Als sich der Pulverdampf verzog, hatte Jens eine Figur mehr, Arne gab auf. 

1:2 Thomas hatte hier ebenfalls eine Figur gewonnen, und es sah einiges nach einem Sieg der Dritten aus. Rainer spielte aber weiter und nervte mit aktiven Zügen, oder mit solchen, die eine vollständige Konsolidierung Thomas verhinderten. Lucy hatte Willys Initiative gut abgelöscht und hatte vollen Ausgleich erreicht. Nach vielen Abtauschen wurde hier remis gemacht - absolut stellungsgerecht. 1,5:2,5 Vika machte eine kleine Kombination nach der anderen und hatte bald vier Bauern mehr. Einziges Manko: der König konnte nicht mehr rochieren und kam nicht recht weg. Als Vika dann Rolfs Dame in ihre Stellung eindringen ließ, kippte das Schlachtenglück in rasender Geschwindigkeit: ein Turm Rolfs gesellte sich hinzu, dann auch der Springer, der vorher ein trauriges Bild am Rand abgegeben hatte. Vika konnte die Löcher nicht mehr stopfen und musste die Niederlage quittieren. 1,5:3,5

 

Und nun schien der Kampf entschieden, auch wenn Alexey mittlerweile Pit ruhig und sauber überspielt hatte. Einem Bauerngewinn folgte der Gewinn eines ganzen Turms, was die Entscheidung herbei führte. 2,5:3,5 Rainer gelang es tatsächlich Thomas zu überlisten. Ein sehr weit eingedrungener Läufer wirkte schon etwas bedrohlich, aber Rainer setzte noch einen drauf und brachte ein

Turmopfer, welches unmittelbar matt erzwang. Caissa war hier etwas sehr parteiisch, aber das schert sie nicht. 3,5:3,5 Nun also musste die Partie Hannes gegen Konrad die Entscheidung bringen. Noch in der letzten Saison konnte Konrad denselben Gegner in die Schranken verweisen, aber heute sah es etwas anders aus. Hannes kam zu Vorteil am Damenflügel und drängte Konrad in

eine passive Position. Dann kam der Angriff am anderen Flügel, Hannes gewann einen Bauern und hatte klare Chancen, Konrad weiter in Bedrängnis zu bringen. In dieser perspektivlosen Situation stellte Konrad einen Turm ein, als er eine Fesselung übersah.

Das sah alles ehr abgeklärt aus von Hannes, seht stark gespielt! 4,5:3,5 Das Ergebnis hätte auch anders ausgehen können, aber letztlich hatte sich die Routine der 2ten Mannschaft durchgesetzt. Halt stop! Die Zwote hatte ja vier Jugendliche in ihren Reihen, und wenn man so will, haben die vielleicht sogar den Ausschlag gegeben. 2,5 Punkte aus 4 Partien gegen DWZ-stärkere Spieler ist gut, und verspricht noch mehr. Das lässt sich richtig gut an mit der Mischung in den Mannschaften. Für die zweite Mannschaft kann man sich nur wünschen, dass sie demnächst ein paar Stammspieler mehr an die Bretter bekommt. Alles in allem war das ein ganz tolles Erlebnis: Ich denke, wir werden gemeinsam noch viele schöne Momente erleben.

 

Egbert Hengst